Turnverein "Sauerlandia" Heringhausen

Das schwarz-gelbe Vereinsemblem des ehemaligen Sportvereins Heringhausen zeigt in der Mitte einen Fußball mit der Jahreszahl 1908. Doch als vor 85 Jahren der erste Sportverein in Heringhausen gegründet wurde, stand zunächst nur das Turnen im Vordergrund.

 Die ersten Statuten des Turnvereine “Sauerlandia“ aus dem Jahre 1907 sind noch im Original erhalten und gleichen wahrscheinlich denen des 1893 gegründeten Turn- und Sportvereine Ramsbeck:

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Jeder Turner hat seiner Anstellung als Vorturner einer Riege seitens des Turnwarts Folge zu leisten und die Anordnung desselben auszuführen.

 §2

Jeder Turner hat sich den Anweisungen des Turnwarts und der Vorturner zu fügen, widrigenfalls derselbe durch Vorgenannten vom Turnplatz verwiesen werden kann. Er hat sich ferner bei Austritt aus der Riege ab und bei Wiedereintritt in dieselbe anzumelden.

 §3

Jeder Turner hat sich ruhig und anständig zu benehmen und darf nicht die Ordnung in der Riege durch sein Verhalten stören. 

§4

Rauchen ist während des Turnens verboten.

 §5

Es darf nur nach Ablegung der den Körper einengenden Kleidungsstücke geturnt werden (Hut, Rock u. Weste).

 §6

Die Benutzung des Turnplatzes und der Geräte ist außer den Turnstunden nicht erlaubt.

 §7

Das Betragen eines jeden Turners sei in bezug auf Anstand und gute Sitte ein gutes.

 §8

Jeder von einem Turner mutwillig an Geräten usw. verursachter Schaden ist von demselben zu ersetzen.

 Im Juli 1908 begann der durch die Statuten geregelte Turnbetrieb. Vermutlich hatte das Bezirksturnfest in Ramsbeck, das im Mai stattgefunden hatte, den letzten Anstoß zum baldigen Beginn gebracht. Die ersten aktiven Turner waren Joseph Stich, Josef Rüthing, Anton Butz, Joseph Friedrichs, Anton Wigge, Franz Gockel 1 und II, August Rüthing, Franz Dicke, August Burmann und Vereinswirt Kaspar Stehling. In den nachfolgenden Jahren stieg die Mitgliederzahl auf über 30. Jeden Monat wurden 0,25 M Beitrag eingezogen, die Aufnahmegebühr betrug 1 Mark. Da anfangs die zum Turnen nötigen Geräte fehlten, fanden zunächst die Übungsstunden bei den Nachbarvereinen in Ramsbeck, Ostwig, Velmede oder Heinrichsthal statt. Doch bald hatte man das Geld zusammen, um 2 Springmatten <14,40 Mark bzw. 22 Mark), 1 Sprungbrett (1,50 Mark), eine Hantel (3,60 Mark), 1 Barren (107,75 Mark) und 1 Pferd (108 Mark) anschaffen zu können. Einen ausgebildeten Trainer kannte man damals nicht: Die Vorturner entnahmen das jeweilige Programm Lehrbüchern, die man sich vom Verlag schicken ließ. Das in vielen Übungsstunden erworbene Können zeigten die Turner dann bei Wettkämpfen in der Nachbarschaft. Alle Mitglieder trugen bei den Festumzügen einheitliche Mützen und Schärpen. Beim Bezirksturnfest in Heinrichsthal im Jahre 1910 konnte erstmalig die neue Fahne mitgenommen werden, die Karl Lenze aus Ramsbeck für 100 Mark angefertigt hatte. Wie viele Siege der Turnverein “Sauerlandia“ Heringhausen damals errungen hat, ist nicht mehr nachzuweisen.

(Siegfried Haas)

 

Ab 1928 rollte in Heringhausen der Fußball

Vier Jahre nach dem plötzlichen Ende des Turnvereine wurde im Jahre 1928 von einigen Jugendlichen wiederum ein Sportverein gegründet. Die Zahl der Mitglieder betrug 40. Statuten wurden schriftlich niedergelegt und der Verein in das amtliche Vereinsregister eingetragen. Um Fußball spielen zu können, wurde die Wiese südlich der Schützenhalle gepachtet, die Ww. Hesse gehörte. Damit war die Basis geschaffen, um den Spielbetrieb aufnehmen zu können. Als Vereinsfarben wählte man “grün-weiß“. Nach vielfachen Überlegungen wurde der Entschluss gefasst, der Deutschen Turnerschaft beizutreten. Die Mannschaft wurde in die zweite Klasse eingestuft. Gleich im ersten Spieljahr wurde die Gruppenmeisterschaft errungen, und aufwärts ging es in die Erste Klasse. Der SV Heringhausen stand dann immer in der oberen Hälfte dieser spielstarken Klasse und hatte niemals Abstiegssorgen. Zur Abwechslung wurden nach den Meisterschaftsspielen Pokalspiele durchgeführt. Hier war Heringhausen der gefürchtetste Gegner aller Vereine. Der erste Pokalsieg wurde in Meschede errungen. Dieser Sieg gab der Mannschaft und dem Verein ungeahnten Aufschwung. Einigkeit, Kameradschaft und ein unbändiger Siegeswille wurden herausragende Eigenschaften. 

Im Laufe der Jahre wurden mehrere Pokale und Diplome errungen. Pfingsten 1930 wurde erstmalig eine Dortmunder Mannschaft verpflichtet.

Erwähnt werden muss, in welch schwerer Zeit der Verein damals gestanden hat. Die Arbeitslosigkeit wurde immer größer und wirkte sich auf die Tätigkeit des Vereins nachteilig aus. Für Bälle und Schuhe und auch die Pacht für den Platz hat so manches ungenannte Mitglied aus lauter Idealismus, nur um den Verein “über Wasser“ zu halten, große Opfer gebracht. In den Jahren 1931/32 wurden die finanziellen Belastungen des Vereins derart hoch, dass alle Mühen und Opfer, die geldlichen Mittel auf zubringen, vergebens waren. Es wurde beschlossen, den Verein im Vereinsregister zu belassen, den Platz zu kündigen und die Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden. Mitte der dreißiger Jahre wurde auch in Heringhausen die sportliche Tätigkeit wieder aufgenommen, und zwar in Leichtathletik und Fußball. Dabei wurden viele Fahrten - teils sogar zu Fuß oder mit dem Fahrrad - zu den benachbarten Vereinen gern in Kauf genommen. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1940 musste jeglicher Sportbetrieb wieder eingestellt werden

  Im November 1945 wurde dann im damaligen Vereinslokal Stehling wieder ein neuer Anfang gemacht. Der Sportverein wurde erneut ins Leben gerufen. Zur Gründung musste eine Genehmigung der damaligen Militärregierung vorliegen. Im Frühjahr 1946 stellte der Landwirt Heinrich Nieder das Grundstück “Auf m Schlink“ für einen Sportplatz zur Verfügung. Große Schwierigkeiten gab es bei der Beschaffung von Fußbällen, Fußballschuhen und Kluften. Dank der guten Kameradschaft und dem guten Willen aller Mitglieder und Freunde des Vereins wurden alle Schwierigkeiten gelöst, größtenteils im Tausch mit Naturprodukten. Die Fußballmannschaft wurde zunächst der 2. Kreisklasse zugeteilt. Die Mitgliederzahl stieg schon im nächsten Jahr auf über 100 an. Im Jahre 1949 gelang der Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Erinnert sei auch an die vielen Pokale und Ehrenpreise, die in diesen Jahren errungen wurden. Der Gründung des Sportvereines Heringhausen wurde im Jahre 1953 in einer besonderen Jubiläumsfeier gedacht. Aus dem Turnverein “Sauerlandia 1908“ und dem Verein “Sportfreunde 1928“ erstand der “Sportverein Heringhausen 1908 e.V“ Im Mai 1958 fand dann aus Anlass des 5ojährigen Bestehens des Sportvereine ein 3tägiges Festprogramm statt mit Festabend und Jubilarehrung. 

In den darauffolgenden Jahren wurde mit mehr oder weniger Erfolg Schwimmen, Leichtathletik und Turnen betrieben. 

Dass ohne eine gute Jugendarbeit kein dauerhafter Erfolg bei den Senioren zu erwarten ist, wurde bald erkannt. Die Jugendarbeit wurde Ende der 50er Jahre aktiviert, mit dem Erfolg, dass von der Jugend des LV Heringhausen der Titel des Kreisjugendpokalmeisters in den Jahren 1959 und 1960 errungen wurde. 

Im Jahre 1963 wurde die 1. Seniorenmannschaft mit über 100 geschossenen Toren Meister der 1. Kreisliga und stieg auf in die Bezirksliga, wo sie 2 Spieljahre bestehen konnte. Nachdem im 2. Bezirksliga Spieljahr Arnsberg 09 in Heringhausen auf dem Sportplatz “Auf‘m Gehren“ verlor, erhielt der SV Heringhausen unmittelbar darauf vom FLVW die Auflage, zur nächsten Spielsaison den Platz in einen vorgeschriebenen Zustand zu bringen. Da die Spielerdecke zu klein, die Finanzen zu gering und die Bezirksliga eine Nummer zu groß war, wurde dann wieder auf Kreisebene gespielt. 

Da der Sportplatz weder die erforderlichen Maße hatte noch sonst den Anforderungen des FLVW entsprach, gingen die Bemühungen dahin, einen ordentlichen Sportplatz zu bekommen. Um die Interessen des SV Heringhausen in der Gemeindepolitik zu vertreten, wurden die Vorstandsmitglieder Koch und Friedhoff über eine freie Wählergemeinschaft in die Gemeindevertretung gewählt. Die Zusammenarbeit des Sportvereins mit der Gemeindevertretung und das Verständnis von Herrn Wilhelm Gödde führten dazu, dass ein 6 Morgen großes Gelände im Jahre 1968 von der Gemeinde käuflich erworben wurde. Es sollte hier nicht nur ein Sportplatz, sondern auch eine Freizeitanlage für die ganze Gemeinde errichtet werden. 

Über 2 Jahre dauerte der Bau des Sportplatzes. In dieser Zeit wurde nach Gevelinghausen auf den dortigen Sportplatz ausgewichen. Der Zuschuss vom Kreis in Höhe von 9.433,- DM reichte noch nicht einmal, die Erdverschiebungen (ca. 13.000,- DM) zu bezahlen. 880 lfd m. Drainage wurden vom Verein in Eigenleistung verlegt. Im Herbst 1970 war es dann soweit, dass die Rasen-Einsaat des Platzes bis spät in die Nacht hinein (bei Auto Scheinwerferlicht) erfolgen konnte. Über 2.200,- DM für Saatgut und Anpflanzung der Böschung wurden vom Verein hierfür nochmals aufgebracht. Der Kostenvoranschlag des Sportplatzes betrug 63.000,- DM. Anstelle der vielen Freunde und Helfer, die an dieser Stelle nicht alle genannt werden können und denen wir sehr herzlich danken, möchten wir Herrn Josef Becker erwähnen, der trotz Schwerkriegsbeschädigung wesentlich zum Gelingen dieses schönen Rasenplatzes beigetragen hat und sich heute noch immer sehr darum bemüht. 

Am 20. und 21.05.1972 wurde der Sportplatz eingeweiht. Über 1.500 Zuschauer nahmen an der Sportveranstaltung teil. 

Ohne Übertreibung kann gesagt werden, dass Heringhausen über einen der schönsten Rasenplätze mit Freizeitanlage verfügt, der von der damaligen Gemeinde langfristig gepachtet werden konnte. 

In den Jahren 1972 - 74 kam man sowohl in Heringhausen als auch in Ramsbeck zu der Überzeugung, dass eine zukunftsweisende Jugend- und Senior- Fußballabteilung nur bestehen kann, wenn eine breite Basis vorhanden ist. So wurde am 17.06.1974 eine Fusion mit dem damaligen TuS Ramsbeck 1893 eingegangen. 

Der jetzige “TuS Valmetal e.V.“ hat durch seine sportlichen Erfolge und nicht zuletzt durch das gute Verstehen innerhalb der beiden Nachbargemeinden erreicht, dass er eine über den Kreis hinaus bekannte, erfolgreiche und gute Sportgemeinschaft geworden ist.

(Die Chronik des Sportvereins Heringhausen 1928 wurde der Fest­schrift “90 Jahre TuS Valmetal“ entnommen und vom langjährigen Vorsitzenden des SV Heringhausen, Gerhard Friedhof f, geschrieben. Gerhard Friedhof f starb im Jahre 1990.)

Beiträge aus der Festschrift 100 Jahr TuS Valmetal

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